Da geht noch was
  Bermuda
Von allen Urlaubsinseln weltweit verzeichnet Bermuda die höchste Zahl an Wiederholungsgästen. Reisejournalist John Dean hat sich auf den Weg gemacht, um der Ursache dafür auf den Grund zu gehen. Lesen Sie selbst, welche Eindrücke er von seiner Reise mitgebracht hat und warum er am liebsten noch länger auf Bermuda geblieben wäre.

Kurz vor Ende des achtstündigen Fluges erwartet Passagiere eine im Abendlicht funkelnde Belohnung: Während der Pilot die Landeklappen ausfährt und das Flugzeug zum letzten Mal auf Kurs bringt, taucht plötzlich Bermuda unter ihnen auf. Inmitten des azurblauen Atlantik liegt es da wie eine in der Sonne glitzernde Juwelenkette. Der Zauber kann beginnen!

 

Bermuda

Hamilton Front Street, Bermuda
Blume Bird of Paradise, Bermuda

Golf und Strand, Bermuda
Bermuda ist, entgegen der geläufigen Meinung, keine einheitliche, durchgängige Landmasse, sondern ein Archipel aus mindestens 150 kleinen Inseln. Die sieben größten davon sind mit Brücken untereinander verbunden und bilden die 54 Quadratkilometer umfassende „Hauptinsel“. Das Land mag zwar von seinen Dimensionen her bescheiden wirken, dennoch muss es in vielerlei Hinsicht keineswegs den Vergleich mit den Großen scheuen: Bermuda gilt als einzigartiges Golfparadies, genießt einen Ruf als gehobenes, stilvolles Reiseziel und wird als wichtiges Finanzdienstleistungszentrum, vor allem für Rückversicherer, gehandelt.

Irgendwie haben die meisten von uns schon einmal den Namen Bermuda gehört. Dennoch sind sich viele nicht sicher, wo genau es geografisch anzusiedeln ist und tippen auf die Karibik. Tatsächlich jedoch liegt Bermuda knapp 1.500 Kilometer nördlich davon, so dass dort auch nur selten Wirbelstürme auftreten. Bermuda befindet sich ebenso wenig im Bermuda-Dreieck (falls es das überhaupt gibt), sondern bildet neben Florida und den Bahamas vielmehr einen der Eckpunkte. Ich habe mir vor meiner Reise die Mühe gemacht, diesem bereits sprichwörtlichen Phänomen ein wenig genauer auf den Grund zu gehen, um schließlich festzustellen, dass es quasi kaum Beweise für viele der Mythen gibt, die sich um das Bermuda-Dreieck ranken. Wie dem auch sei – Bermuda befindet sich im Atlantik und gilt, gleich nach St. Helena, als die entlegenste Insel der Welt, 5.300 Kilometer von London bzw. 960 Kilometer von Cape Hatteras, North Carolina, entfernt. Dennoch ist Bermuda denkbar einfach zu erreichen.

Weg von Europa nach Bermuda

Die alten Seefahrer hatten einst Mühe, Bermuda zu orten. Anno 1505 setzte Juan de Bermudez als erster nachweislich Fuß  an Land, hisste die spanische Flagge, verlieh dem Archipel seinen Namen, sah sich kurz um und war auch schon wieder weg, was den Ausdruck „One day Bermuda“ prägte. 2005 feierte das Land seinen 500. Geburtstag.

1609 schließlich stießen die Engländer im wahrsten Sinne des Wortes auf die Inseln: Auf ihrem Weg zur Kolonie Virginia zerschellte die Flotte von Admiral Sir George Somers an den berüchtigten Felsen Bermudas. Der Admiral rettete die komplette Mannschaft, inklusive Schiffshund, und damit auch seine Ehre. An Land trafen die Schiffbrüchigen auf ein wahres Paradies mit reichen Fischgründen, Wildschweinen und einer seltenen Vogelart namens „Cahow“ (Bermuda-Sturmvogel), die rasch ausstarb, nachdem man Jagd auf sie machte. Es wuchs außerdem jede Menge Zedernholz auf den Inseln. Daraus bauten die Seemänner kurzerhand neue Schiffe, um schließlich doch noch nach Virginia zu gelangen. Mit ihrer Rückkehr wurde aus Bermuda eine der ersten und mittlerweile eine der letzten bestehenden britischen Kronkolonien. Als England seine amerikanischen Kolonien im Unabhängigkeitskrieg verlor, gewann Bermuda an strategischer Bedeutung als wichtigster atlantischer Marinestützpunkt der Briten - bis in die Fünfzigerjahre hinein. So erklärt sich auch die Vielzahl an immer noch existierenden Forts auf Bermuda. Die „Royal Naval Dockyard“ stellt heute eine wichtige Touristenattraktion dar und dient als Ankerplatz für die regelmäßig anlegenden Kreuzfahrtschiffe.

Die Bewohner Bermudas zeichneten sich von jeher durch Stehvermögen und Unternehmergeist aus. Im Laufe der Jahre brachten sie es mit den ihnen jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln zu Wohlstand: Sei es, indem sie George Washington mit Schießpulver belieferten, dem Südstaatenbund während des amerikanischen Bürgerkrieges zur Seite standen oder einige der schnellsten Segelboote aller Zeiten bauten. In jüngsten Jahren hat Bermuda sich mit dem Tourismus und Finanzdienstleistungen zwei erfolgreiche Standbeine geschaffen. Die Bewohner erzielen damit weltweit das neunthöchste Pro-Kopf-Einkommen.

Erstmals als Urlaubsziel entdeckt wurden die Inseln von Amerikanern, die den strengen Wintern an der Ostküste bzw. im Mittleren Westen entfliehen wollten.

Parade, BermudaPrinzessin Louise, eine der Töchter von Queen Victoria, machte es zu einem beliebten Treffpunkt der Society, indem sie auf Bermuda überwinterte, während ihr Gatte als Generalgouverneur die Geschicke Kanadas lenkte. Ihr zu Ehren wurde das Princess Hotel benannt. Im Gegensatz zu heute mussten die Reisenden damals erst per Schiff den winterlich stürmischen Atlantik überqueren, um ins herrlich warme Bermuda zu gelangen. Mark Twain, ebenfalls ein gern gesehener Gast dort, schrieb: „Bermuda ist ein Paradies, aber um dorthin zu gelangen, muss man erst die Hölle durchqueren.“ Das alles gehört natürlich längst der Vergangenheit an: Ob aus Europa oder Nordamerika, mittlerweile erreicht man die Inseln sicher und bequem mit dem Flugzeug. Der Golfstrom sorgt auf Bermuda für ein einzigartiges halbtropisches Klima. Man unterscheidet zwischen zwei Jahreszeiten: Frühling (Januar bis März) und Sommer (April bis Dezember). Das Thermometer fällt selten unter 21 °C bzw. überschreitet selten 30 °C. Entsprechend gilt Bermuda als ganzjähriges Reiseziel.

Oleander mit Leuchtturm, BermudaSchmetterling, BermudaWenn man mit den für ihre herzliche, zuvorkommende Art bekannten „Bermudians" ins Gespräch kommt, merkt man übrigens schnell, dass sie sehr stolz auf ihre Vergangenheit sind, genauso wie auf ihre multikulturellen Wurzeln, die traditionsreiche Demokratie und natürlich auf die berühmten Bermuda-Shorts.
Bermuda besticht durch viele einzigartige Facetten: Zuallererst werden Ihnen die hübschen pastellfarbenen Häuser mit ihren weißen Dächern auffallen. Die Bermudianer mussten von jeher auf heimische Materialien zurückgreifen und verwendeten daher sowohl für die Wände als auch für die Dächer Kalkstein. Die Dächer sind so konstruiert, dass Regenwasser aufgefangen und in unterirdischen Tanks gesammelt wird.

.Der natürlich auf der Insel vorkommende Kalkstein reinigt das Regenwasser auf natürliche Weise.Die Straßen auf Bermuda erinnern an englische Landstraßen und sind oft mit Steinmauern begrenzt. Das generelle Tempolimit liegt bei 35 Stundenkilometern, so dass man während der Fahrt in aller Ruhe die wunderbare Landschaft genießen kann. Besucher haben die Wahl zwischen Taxis und Leihmopeds („motor scooter“), mit denen man auf eigene Faust die verschiedenen Ecken der Insel erkunden kann.

Leihmopeds, Bermudapastelfarbenes Haus mit weißen Dach, BermudaObwohl Bermuda doch sage und schreibe 60.000 Einwohner zählt, wirkt es keineswegs überlaufen. Im Gegenteil: Es gibt jede Menge weite Natur. Dazu zählen auch die insgesamt acht fantastischen Golfanlagen, denen man die höchste Golfplatzdichte weltweit verdankt. Der National Trust setzt zudem strengste Maßstäbe an, um die Inseln vor einer Überbebauung zu schützen und das ökologische Gleichgewicht zu erhalten. Außerdem darf nur im traditionellen Stil gebaut werden.
Golfplatz, Bermuda

Egal, ob Sie sich nach Ruhe, Entspannung und Verwöhnprogramm sehnen oder die schönsten Tage des Jahres lieber aktiv verbringen: Ein Bermuda-Urlaub ist in jedem Fall sehr entspannend, erholsam, abwechslungsreich, stressfrei und sicher. Es gibt weder Ghettos noch für Touristen unratsame Gegenden. Statt dessen empfängt man Gäste allerorten mit natürlicher Herzlichkeit. Und dass man sich verirrt, ist eher unwahrscheinlich, denn es gibt nur einige wenige Hauptstraßen, die die einzelnen Inseln miteinander verbinden. Zum Meer sind es nie mehr als 1,5 Kilometer.

Falls Sie eher zur rührigen Spezies Mensch gehören, dürfte das größte ihrer Probleme auf Bermuda wohl die Qual der Wahl darstellen. Ich war so begeistert von der Landschaft, dass ich als erstes eine geführte, halbtägige Inseltour per Taxi unternahm. Die Taxifahrer dort sind nämlich zugleich versierte Fremdenführer, die Interessantes über die verschiedenen Sehenswürdigkeiten zu erzählen wissen.

Relaxen am Strand, BermudaRadfahren in der Natur.jpg (13728 Byte)Wellness, Bermudajpg.jpg (6339 Byte)Als weiteres Muss gilt ein Ausflug auf dem Glasbodenboot zu den Riffen und Wracks rund um Bermuda. Im kristallklaren Wasser lassen sich die unglaublich vielen verschiedenen Fische und Schildkröten beobachten, die dort an dem weltweit nördlichsten Korallenriff leben. Hinzu kommen Dutzende von Schiffswracks wie beispielsweise das der Marie Celeste, die Bermuda ebenfalls zum echten Tauchdorado machen.Schiffswrack von unten, Bermuda

Die Palette an Wassersportangeboten reicht von Parasailing bis hin zu Windsurfen, Gerätetauchen und Jetskifahren (in ausgewählten Arealen zum Schutz des Korallenriffs). Darüber hinaus stehen die verschiedensten Boote zum Ausleihen oder als Charter zur Verfügung, seien es nun Ruderboote, Speedboats, Fischerboote oder edle Luxusjachten. Die meisten Hotels treffen gerne die entsprechenden Arrangements für Sie. Einige wenige Häuser, wie etwa das Cambridge Beaches, verfügen sogar über eigene Boote.

Aber was wäre Bermuda ohne seine berühmten Golfplätze? Der älteste und zugleich bekannteste ist der Mid Ocean Club. Während Mid Ocean und Riddells Bay Privatplätze sind, stehen die übrigen sechs Anlagen auch Nichtmitgliedern offen. In diese Kategorie fällt unter anderem der Port Royal, ein staatlicher 6.561-Yard-Platz und einer der besten öffentlichen Plätze überhaupt. Alljährlich im Oktober werden dort die Bermuda Open ausgetragen. Mit zusätzlich rund 80 über der ganzen Insel verstreuten Tennisplätzen sowie diversen Squashplätzen und zwei Reitsportzentren dürften also in sportlicher Hinsicht keinerlei Wünsche offen bleiben.

Auch das Shopping kommt keineswegs zu  kurz auf Bermuda. Entlang der Front Street in Hamilton reihen sich Läden illustrer Marken, von Prada über Jimmy Choo bis hin zu Louis Vuitton, Dior und Rolex, aneinander. Das Tolle daran: Hier ist alles wesentlich preiswerter als etwa in London oder New York und noch dazu viel entspannter. Auch im historischen Royal Dockyard locken attraktive Geschäfte mit hübschen Glas-, Kunst- und Kunsthandwerksartikeln aus heimischer Fertigung. Im Royal Dockyard befindet sich zudem das sehenswerte Maritime Museum sowie eine Attraktion namens „Dolphin Quest“, wo Delfine nicht nur Kinderaugen zum Strahlen bringen. Das Aquarium, ein Zoo und Museum im Flatts Village, stellt ebenfalls ein lohnendes Ausflugsziel dar. Das gleiche gilt für die „Fantasy and Crystal Caves", ein echtes Wunder der Natur.

Wasserski, Bermuda

Tennis, Bermuda
Fairmont Southampton Golfplatz mit Blick, BermudaShopping, BermudaDinghy Segelregatta, BermudaHochseefischen, BermudaMir persönlich hat am meisten Spaß gemacht, mit dem Motorroller bzw. mit den regelmäßig verkehrenden Bussen und Fähren die versteckten Strände rund um Bermuda, insbesondere aber entlang des Südufers (South Shore), zu erkunden. Dort schimmert der Sand tatsächlich in leichtem Rosa. Verantwortlich dafür sind die feinen Korallenpartikel, die sich mit dem Sand vermengt haben. Mindestens genauso atemberaubend ist das Himmelblau des Meeres. Das Wasser ist klar und das ganze Jahr über warm, ideal also zum Schwimmen und Surfen. Kein Wunder, dass die South Shore-Strände zusammen mit Bermudas Golfplätzen auf der Liste der „1000 Places To See Before You Die“ geführt werden. Die Auswahl an Stränden scheint schier endlos, für den Anfang kann ich jedoch besonders die Horseshoe Bay, Elbow Beach und Warwick Long Bay empfehlen. Alle Strände werden Sie mit Sicherheit schon allein zeitlich nicht besuchen können. Vielleicht ist das auch mit einer der Gründe, weshalb so viele Urlauber immer und immer wieder nach Bermuda kommen. Im Cambridge Beaches Resort hängt übrigens eine Tafel, auf der sämtliche Stammgäste und die Anzahl ihrer Aufenthalte genannt sind. Der Rekordhalter ist bislang mit mehr als 100 Besuchen ein amerikanischer Admiral. Entweder sind ihm die traumhafte Insel und ihre Bewohner so sehr ans Herz gewachsen, oder er ist passionierter Schatzgräber auf der Suche nach dem spanischen Gold, das dort von Zeit zu Zeit gefunden wird.
Strand Horseshoe Bay, BermudaPicnic am Strand, BermudaStrand, BermudaAstwood Coast, BermudaKurzum: Jeder hat so seinen ganz persönlichen Grund, wieder nach Bermuda zu reisen. Welcher meiner ist? Also, ich glaube, auf mich warten noch viele weitere einmalige Urlaubserlebnistage…
 
     
 
   
 
   
 
     
 
     
   
     
 
   
     
 
   
 
     
   
   
   
 
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